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Val Morobbia, 14.08.2017 - Das Amt für Jagd und Fischerei (UCP) des Kantons Tessin hat im Rahmen der Überwachung der Wölfe im Morobbiatal nach 2015 und 2016 nun die dritte Wolf Reproduktion bestätigen können.

Medienmitteilung des Kantons Tessin, 14.08.2017

Fotofallen waren seit Januar 2017 im Gebiet installiert und machten es möglich, vier Jungtiere zu erkennen. Die Jungen stammen sehr wahrscheinlich vom Paar F8 und M47, bereits Eltern der ersten beiden Würfe, da deren Anwesenheit vom Laboratoire de Biologie de la Conservation der Universität Lausanne durch genetische Analysen von Kotproben bestätigt wurde.

Seit dem Wiederauftauchen des Wolfs im Tessin im Januar 2001 konnten mindestens 20 verschiedene Wölfe (14 Männchen, 4 Frauen, zwei Tiere unbekannten Geschlechts) auf Kantonsboden identifiziert werden. Die vier jungen Wölfe bringen die Gesamtzahl somit auf 24 Wölfe.

Im Morobbiatal geht die erste Bestätigung des Auftretens eines Wolfs auf den Sommer 2010 zurück. Im Jahr 2012 konnte das Weibchen F8 erstmals nachgewiesen werden. Es war der erste Nachweis einer Wölfin im Kanton. Während der Jahre 2013 und 2014 gab es keine gesicherten Berichte mehr in der Region, welche auf die Existenz eines Wolfes hinwiesen. Im Laufe des Jahres 2015 stellte sich dann aber heraus, dass sich ein Paar (F8 und M47) gebildet hatte. Kurz darauf wurde der erste Wurf von drei Welpen entdeckt. Das Paar blieb im Gebiet und hatte im 2016 3 Welpen und im 2017 nun vier.

Das Revier der Familie erstreckt sich über das Tessin, Italien und wahrscheinlich auch Graubünden. Das Amt für Jagd und Fischerei, in Zusammenarbeit mit KORA, setzt die Aktivitäten zur Überwachung des Wolfsrudels im Morobbiatal fort, um dessen Verschiebungen zu beurteilen.

Die ländlichen Gebiete wollen nicht länger Spielball einer verfehlten Wolfspolitik des Bundes sein. Mit den Beitritten der Zentralschweizer Vereinigung und der gesamten Romandie zum Verein Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere (VLSoGRT) schliessen sich die Reihen der wolfskritischen Bergkantone. 

Der Bund muss reagieren, denn die Forderungen werden lauter. Gefordert werden der Austritt aus der Berner Konvention mit Auflagen zu den Grossraubtieren und einem Wiedereintritt in die Konvention sowie die Bestandregulierung auf kantonaler Ebene.

Auch in der Wolfspolitik soll das Subsidiaritätsprinzip gelten. Auf dieser Grundlage schlägt der VLSoGRT in seinem Grossraubtierkonzept vor, die Bewirtschaftung von Grossraubtierbeständen an die Kantone zu übertragen. Dabei können die Kantone für den Siedlungsraum eine Nulltoleranz für Grossraubtiere einführen. Exakt in diese Richtung zielt eine Motion aus dem betroffenen Kanton Uri.

Ein schlechtes Zeugnis stellen die Delegierten den bundesnahen Behörden zur Überprüfung der Wolf-Hund-Mischlingsfragen aus. Die Unabhängigkeit der zuständigen Institutionen wird angezweifelt. Deshalb fordert der Verein eine Überprüfung des Monitoringverfahrens in der Schweiz durch unabhängige europäische Fachexprten.

Weitere Auskünfte:

G. Schnydrig Tel. 078 736 62 58
G. Mattei Tel. 079 428 40 59
Ko-Präsidenten Verein Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere
www.lr-grt.ch

Die komplexen Hintergründe des „Rewilding“, des „Zurück zur Wildnis“ mittels Pärken und der Ansiedlung von Großraubtieren

von Georges Stoffel

Das Rewilding mit streng geschützten Grossraubtieren führt zum Untergang der Jahrtausendealten alpinen Kulturlandschaft, mit ihrer durch Alpwirtschaft einzigartigen hohen Biodiversität

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Zur Sache

Die Frage nach einem Beitritt zu einem Parkprojekt stellt sich heute, mit der aktu- ell neuen Wolfs-und Grossraubtierproblematik, anders dar als noch vor ein paar Jahren oder Jahrzehnten, als man naiv die von der „Welt-Naturschutz-Union IUCN“ initiierte „Berner Konvention“ zum totalen Schutz des Wolfes unter- schrieben hatte. Man war sich der Raubtierproblematik nicht im Geringsten be- wusst, weil es keine oder nur einzelne Wölfe gab und darum auch keine oder nur geringe Schäden beim Nutzvieh. Und man konnte nicht ahnen, dass die IUCN die Wiederansiedlung des Wolfes generalstabsmässig verdeckt geplant und umgesetzt hat. Niemand wusste was da kommen würde.

Das hat sich in den letzten zwei Jahren schlagartig geändert, weil die Wolfsattacken auf Nutzvieh in der Schweiz, mit der sich jährlich um 30% vermehrenden Wolfspopulation stark zugenommen haben. In der Schweiz vermutet man 30-50 Wölfe.

Die gravierenden Folgen für die Alpwirtschaft in Frankreich, mit einer Wolfspo- pulation von ca. 300 Wölfen und 10’000 tödlichen Wolfsattacken im Jahr, lassen aufhorchen.

Die Schweizer Alpwirtschaft dehnt sich über 560‘000 Hektaren Alpweiden aus, welches einem Drittel der Schweizerischen landwirtschaftlichen Nutzfläche entspricht.

Auf 7’300 Alpbetrieben werden jährlich ca. 600‘000 Tiere gesömmert. Auf die- ser natürlichen Weidegrasressource werden ohne Zusatzfutter, 100‘000 Tonnen Milch gemolken. Davon werden 60 Prozent zu ca. 5‘200 Tonnen Käse verar- beitet.

Früher genossen die Pärke allgemeine Akzeptanz. Heute aber, vor dem Hintergrund von Grossraubtieren, welche die Bäuerliche Existenz und das von Alpwirtschaft geprägte einzigartige Ökosystem gefährden, beginnt sich das zu ändern.

Die offensichtlich gezielte, aggressive Wiederansiedlung des Wolfes und anderer Grossraubtiere, gibt der Berechtigung von Pärken eine neue nie dagewesene ne- gative Dimension. Trotz gegenteiliger Faktenlage behaupten PRO NATURA und WWF, dass das Zusammenleben mit dem Wolf, bei genügend Herdenschutz, gut funktioniere. Das stimmt nachweislich nicht, wenn Wolfspopulationen überhand- nehmen und der Mensch sich, wegen des totalen Schutzstatus des Wolfes durch die „Berner Konvention“, nicht gegen ihn wehren darf. Der Wolf lernt somit, dass er kein Risiko eingeht. Seit Menschengedenken hat es das nie gegeben, dass sich Grossraubtiere völlig frei entfalten können. Eine angeblich mögliche, friedliche Koexistenz zwischen dem geschützten wilden Wolf und der Tierhaltung nur mit Herdenschutz, ist eine gezielte Desinformation der Naturschutzverbände. Der Wolf und andere Grossraubtiere sollen helfen in dünnbesiedelten Regionen die Rückkehr zur Wildnis aktiv zu verwirklichen. Mit dem Nein zum Natio- nalparkprojekt Adula 2016 wurde ein wichtiger Paradigmenwechsel eingeleitet. Neben den alten Befürchtungen des Souveränitätsverlustes bei einem Beitritt in ein Parkprojekt kommt nun die Sorge vor einer ausufernden Grossraubtierpro- blematik mit existentiellen Folgen für die Alpwirtschaft hinzu. Ausserdem auch die, vor einer Forderung nach Abschaffung der Jagd, um sie den Wölfen und anderen Grossraubtieren zu überlassen. Das Jagdverbot ist zuerst für die Pärke, zur Schaffung von neuen Wildnisgebieten, vorgesehen.

Das wäre das Ende einer Jahrtausendealter alpinen Kultur, weil die Pärke mitten in grossflächigen weidewirtschaflich genutzen Alpen liegen.

Welt-Naturschutz-Union IUCN (www.iucn.org)

Die IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources), auch Weltnaturschutzunion genannt, ist eine interna- tionale Nichtregierungsorganisation mit 1000 Angestellten in 62 Ländern. Sie wurde 1948 gegründet und hat Mitglieder aus 80 Staaten (Umweltministerien etc.), aus 120 Regierungsorganen, aus über 1.100 Nichtregierungsorganisationen. Beteiligt sind 16’000 Experten in sechs Kommissionen und Wissenschaftler aus 181 Ländern in einer aussergewöhnlichen Partnerschaft. Die IUCN hat die Aufgabe, in Sachen Naturschutz, überall global die Gesellschaft zu beeinflussen.

Gegen dieses Ziel ist an sich nichts einzuwenden. Aber die mit den Jahren gewachsene Grösse und Macht der Organisation, ihr Multimil- larden Budget für Projekte, hat sie die Bodenhaftung verlieren lassen. Das zeigt sich an ihrer selbstgefälligen rücksichtslosen, ihre Partner täuschenden, Rewilding Vision mittels Grossraubtieren.

Die IUCN hat die Umsetzung Holding-mässig an eine Unterorganisation, der „Grossraubtierinitiative für Europa“ LCIE (Large Car- nivore Initiative for Europe) delegiert. Die Strategie des „Zurück-zur Wildnis“, des „Rewilding“ mittels Pärken, ist ein erklärtes Ziel der Welt-Naturschutz-Union IUCN, des WWF und ihrer Schwesternorganisationen, Pro Natura und vielen andern.

Die IUCN ist eine sehr grosse Gruppe von Intellektuellen, die sich erhaben über die vom Rewilding betroffene Bäuerliche Bevölkerung stellt. Sie sehen sich offensichtlich als „Menschen höherer Qualität“, im Sinne entsprechender Wortwahl des bedeutenden Eugenikers und Gründers der IUCN Sir Julian Huxley. Sie planen abgehoben die ländliche Welt der Zukunft, obwohl diese Gebiete ihnen nicht gehören.

Das erzwungene Etablieren von Pärken, wie in anderen Ländern, wo die betroffene Bevölkerung politisch übergangen wird, kommt einer

Quasi-Enteignung gleich.

PRO NATURA argumentiert, Pärke seien von nationaler Bedeutung und darum müsste auch die ganze Nation darüber abstimmen können. Sie rechnen sich aus, dass mit dem Instrumentalisieren der 84% urbaner Bevölkerung, die betroffene ländliche Bevölkerung übergangen werden könnte. Gut leben wir in der Schweiz mit ihren demokratischen Regeln. Unabhängig vom Entscheidungsprozess, kann man sich die Frage stellen, was von grösserer nationaler Bedeutung ist: Die nachhaltige Nutzung der Alpen (ein Drittel der landwirtschaftlichen Schweizerischen Nutzfläche) für die Ernährungsautonomie, die erwiesenermassen eine hohe Biodiversität hervorbringt; oder die Vision der Entstehung von Wildnis mit Grossraubtieren.

Ganz entscheidend dabei ist zu erkennen, dass die Einrichtung von Pärken, eine internationale Strategie dieser Orga- nisation ist.

Die IUCN hat für die ganze Welt die Einteilung der Pärke in bestimmte Kategorien und ihr Schutzmanagement, ihre Ziele und entspre- chende Massnahmen, definiert. Diese Vorgaben werden bei der Planung und Entwicklung neuer Pärke angewendet und bekamen ihre rechtliche Befugnis mit der Übernahme ins Schweizerische Natur-und Heimatschutzgesetz (NHG).

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Nach 16-jähriger Vorarbeit und über zehn Millionen Subventionen mit öffentlichen Geldern, wurde vom 24. bis 27. November 2016 in den 17 betroffenen Gemeinden über das Nationalparkprojekt Parc Adula abgestimmt. Die betroffene Bevölkerung lehnte das Vorhaben trotz massiver Propaganda der Befürworter ab. Im folgenden Interview erklärt Leo Tuor, Mitglied des Komitees «na nein no Parc Adula» dieses Resultat.

(Interview Rico Calcagnini)

Rico Calcagnini: Warum ist die Ablehnung des Nationalparkprojektes Parc Adula wichtig?

Leo Tuor*: Wir haben in Graubünden bereits einen Nationalpark. Das genügt. Zudem haben wir noch drei Naturpärke und jetzt ist bereits die Rede von einem internationalen Park im Prättigau, der den Rätikon bis nach Österreich umfassen soll. Eigentlich könnten wir aus der ganzen Schweiz einen Park machen, die 289 Labels abschaffen und das alte Markenzeichen wiedereinführen, das mit der Armbrust, welches Schweizer Qualität, Zuverlässigkeit usw. auszeichnet: eine rote Armbrust für konventionelle Qualität, eine grüne Armbrust für echte Bioqualität, eine gelbe für nicht überzeugende Bioqualität, bei der das Label nur aus subventionstechnischen Gründen übernommen wird. Die Ablehnung des Adula-Parks ist wichtig als Signal nach Bern, dass es uns nicht um eine befürchtete Einschränkung der Freiheit geht, sondern, dass wir genug von Reglementierungen haben. Zudem haben wir das Schweizer Parkkonzept als miserables Theater durchschaut. Und von pathetischem Gerede – es handelt von Visionen und Zukunft planen – halten wir nichts. Planwirtschaft, Fusion und Zentralismus stehen quer zum Denken eines Bergvolks.

Leo Tuor* (Foto Y. Böhler)

Wie konnte die kleine Gruppe der Parkgegner trotz der finanziellen Übermacht und der enormen Medienpräsenz der Parkbefürworter überzeugen?

Die Alternative Parc Adula oder Apokalypse, das war für die Stimmbürger ein bisschen einfach. Dann: Einen Nationalpark verbindet man mit Natur, aber das Projekt gab vor die Wirtschaft fördern zu wollen. Nur im Unterland propagierte man es als Naturpark. Adula war nie glaubwürdig, seine Leute hatten kein Charisma und nahmen das Volk nicht ernst. Das war eine Schlacht von Rebellen gegen Advokaten. Bei den einfachen Leuten kommen Advokaten nie gut an. Und nur mit Millionen und Geschwätz kann man nicht überzeugen, es roch immer nach Propaganda. Die grosse Mehrheit war nicht käuflich.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Tessiner Parkgegnern?

Wir haben uns nicht als Bewohner von verschiedenen Kantonen wahrgenommen, sondern als Bergler/montanari, mit der gleichen Identität. Sprachlich war es ein Problem. Wir Romanen verstehen zwar italienisch aber mit reden und argumentieren ist es schwieriger. Dazu kommt, dass Bergler und Bauern nicht so sprachgewandt wie die avvocati sind, aber wir kamen beim Volk, das auch nicht so sprachgewandt ist, gut an. Auch Moses hatte dieses Problem mit der Sprache (Ex. 4,10) und führte trotzdem das trotzige Volk durch die Wüste des Lebens.

Die Kontroverse um den Parc Adula, in der wir bald sahen, dass unsere Identität – der Berg nämlich –, die gleiche ist, hat uns den Tessinern nähergebracht. Beide lieben wir die Berge, idealisieren sie aber nicht zu sehr, weil sie auch schwierig sind, Gefahr bringen, unerbittlich sein können. Die Zusammenarbeit war unbürokratisch und unkompliziert. Wir hatten eine einzige Sitzung auf dem Lukmanier, zu der wenige Bündner kamen, weil Hochjagd war und man dann mit ihnen nichts anders anfangen kann.

Welche Erkenntnisse ziehst du persönlich aus der ganzen Kontroverse?

Ich habe daraus die Erkenntnisse gezogen, dass man glaubwürdig und ehrlich sein muss und dass die Leute zusammenhalten, wenn es um ihr Sein geht: Unsere Existenzgrundlagen sind die Berge und die Sprache, die bedingen einander. Ohne Berge gäbe es nicht so ausgeprägte Dialekte und das Rätoromanische wäre längstens ausgestorben. Uns Romanen versuchte man vor nicht allzu langer Zeit von oben eine künstliche Einheits-Sprache aufzuzwingen: das Rumantsch Grischun. Dieses Millionen-Projekt scheiterte kläglich, weil es von Zürich und Chur kam. Auch das war ein Problem Stadt-Land, Zentralismus versus Föderalismus. Wir ticken anders als die Städter. Die Schweiz ist kein Einheitsbrei. Darum ist sie interessant. Eine andere Erkenntnis ist, dass Literatur ein Schwert sein kann. Ich bin Literat und habe mit Essays gegen diesen Irrsinn angekämpft. Auch in Giacumbert Nau (1988), mein Sturm und Drang Buch – ein Buch das bei der Bündnerregierung lange auf dem Index stand – ist zu lesen :

«Die Wüste wächst: weh dem, der Wüsten birgt!»

«Was ist eigentlich mit Euch, Herr Präsident?Ihr seid bald siebzig Jahre alt und wollt weiterhin das Land verkaufen? Ihr habt spekuliert, überbaut, Euer Tal verwüstet, und jetzt wollt Ihr Euer Gewissen übertünchen mit einem Park in den Tälern der andern?

Ihr habt zwar eine illustre Suite. Aber bedenkt, da sind noch andere auf dieser Welt. Die wollen in den Bergen leben und nicht in einem Reservat. Könnt Ihr, Herr Präsident, ein alter Mann, denn niemals Ruhe geben? Nichts liegt uns an der Zukunft, die Ihr uns im Bunde mit den Städtern zusammenbrauen wollt. Sie haben ihre Lebensräume zerstört – gibt ihnen das ein Recht auf die unsern? Unsere Weiden sollen Wüsteneien werden? Unsere Wälder einwachsen? Und wir sollen ihre Mohikaner sein? Nicht einmal die Sterne wollt Ihr mir lassen. Und meine Tiere, wohin soll ich mit meinen Tieren gehen?

Haderlumpen, Rohkostraspler. Macht eure Parks in euren Städten. Nichts liegt uns an der Zukunft, die ihr uns bereiten wollt. Lasst meine Tiere in Frieden, die euch nichts getan haben, die unter dem gestirnten Himmel ruhen. Geht zum Kuckuck mit euren Ratschlägen. Respektiert uns, die wir hier nicht in den Ferien sind.»

Was bedeutet das Resultat für die Identität der Bergbewohner?

Die Gefahr der Schweizer ist, dass jeder für sich schaut, etwas ausbrütet in seiner Region, ohne von den andern etwas wissen zu wollen. In Graubünden haben wir eine Art Minischweiz, mit den drei Sprachen und den vielen Tälern. Im rätoromanischen Teil haben wir mit unseren fünf Schriftsprachen wiederum eine Art Minigraubünden. Und auch die Rätoromanen brüten in ihren Regionen alle für sich. Die ganze Struktur in der Schweiz ist eine Matrioschka mit Kopftuch, jedes mal ein bisschen kleiner, die kleinste ist die Rätoromanische.

Das Resultat hat gezeigt, dass wir uns gegen Bürokratie und Zentralismus wehren können, wenn wir zusammenarbeiten. Unser Komitee leistete mit minimalen Kosten, kleinem Zeitaufwand und bescheidener Infrastruktur eine optimale Arbeit. Es war faszinierend, mit Leuten von links bis rechts zusammenzuarbeiten, ohne Parteiengezänk und Machtgehabe.

Die Parkbefürworter weigerten sich, einen Zusammenhang zu sehen zwischen Park und Grossraubtieren, was meinst du dazu?

Auch das war unglaubwürdig, weil Wolf und Bär etwas mit Natur zu tun haben und in einem Nationalpark total geschützt sind. Auch mit einer Lockerung der Berner Konvention. Als man diese 1979 unterschrieben hatte, gab es noch keine Wölfe hier und somit auch keine Probleme. Und in Graubünden mit so vielen Pärken haben die Wölfe eine grosse Freiheit, auch um sich ungestört zu vermehren. Es kann doch nicht sein, dass die Befürworter sagen, der Nationalpark schützt Natur und Tiere und gleichzeitig zu behaupten, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Park und den Grossraubtieren gibt. Das ist unlogisch und unredlich. Der Wolf ist in den Bergregionen von Graubünden und im Nordtessin ein wichtiges Thema. Italien hat einen anderen Umgang damit, Italien ist nicht so gesetzestreu. Vielleicht könnten wir von unseren Nachbarn etwas lernen.

Vielen Dank für das Gespräch .

*Leo Tuor, geboren 1959, verbrachte vierzehn Sommer als Schafhirt auf der Greinaebene. 1989-2000 Arbeit an einer sechsbändigen Werkausgabe des rätoromanischen Dichterfürsten und Kulturhistorikers Giacun Hasper Muoth. Leo Tuor lebt mit seiner Familie in Val. Er schreibt Romane, Erzählungen, Kurztexte und Essays, er wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. 2012: Preis der UBS Kulturstiftung, Zürich für Gesamtwerk; Prix du Conseil International de la Chasse CIC (South Africa) für «Settembrini»; 2009: Bündner Literaturpreis; 2007: Preis der Schillerstiftung.

1Quelle: Tuor, Giacumbert Nau, Zürich 2012, 144/145, Übersetzung P. Egloff

www.tuors.ch

 

Grossraubtiere – Wolf, Bär und Luchs in Graubünden Gibt es ein Miteinander von Alpwirtschaft und Grossraubtiere ?

Öffentliches WINTERGESPRÄCH des

WANN: Freitag, 3. Februar 2017

ZEIT:    20.00 Uhr

WO:     CHUR, City West, Event Halle (2. Stock). Parkkaus City West

PROGRAMM:

Begrüssung

Cornelia Aliesch, Präsidentin Bündner Älplerinnen- und Älplerverein

Einführungreferat

Georges Schnydrig , Präsident Verein Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere

Podium mit Diskussion

Gesprächsleitung Peter Küchler, Direktor LBBZ Plantahof

Ständerat Stefan Engler, Nationalrätin Silva Semadeni, Dr. Georg J. Brosi, Vorsteher Amt für Jagd und Fischerei GR, Thomas Roffler, Präsident Bündner Bauernverband, Peter Lüthi, Hirt, ehemaliger Geschäftsleiter WWF, Markus Gadient, Landwirt, Köbi Roth, Älpler, Rico Calcagnini, Präsident Sektion Graubünden – Verein Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere, Otto Denoth, Vertreter Bündner Älplerinnen- und Älplerverein im Verein Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere, Sektion Graubünden.

Apéro

Es sind alle Alpinteressierte / Alpmeister (auch Nichtmitglieder) ganz herzlich zum Wintergespräch eingeladen! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!

Bündner Älplerinnen- und Älplerverein

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