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Pressemitteilung des Vorstandes «Vereinigung Lebensräume ohne Grossraubtiere GR»

Am 27. November wird in 17 Gemeinden über den Beitritt zum Parc Adula abgestimmt. Die Vereinigung Lebensräume ohne Grossraubtiere GR ist über die Auswirkungen dieses umstrittenen neuen Nationalparkprojektes besorgt. Laut der Charta muss davon ausgegangen werden, dass der Wolf sich weiter verbreiten und Rudel bilden wird, der Bär im Park eine Möglichkeit zum Überwintern finden kann und dass die Grossraubtiere «zu Veränderungen der Nutzungsformen ... führen werden».

In der Charta wird unsinnigerweise gar behauptet, dass « ... ein Nationalpark von der Präsenz von Grossraubtieren aus einer touristischen Perspektive auch profitieren kann.» Der Charta ist eine sehr positive Haltung zur Ansiedlung von Wolf und Bär zu entnehmen. Kein Wort über die Bedrohung der Berg- und Alpwirtschaft und über die Konsequenzen für die Landschaft und ihre Biodiversität, die in jahrhundertlanger sorgfältiger und harter Arbeit durch unsere Bergbauern entstanden ist. Im beinahe zusammenhängenden Gebiet von Nationalpark, Park Ela, Park Beverin und Nationalpark Adula, das zusammengerechnet 30% der Fläche des Kanton Graubünden umfasst, steckt ein gefährliches Potential für die Entwicklung von starken Wolfspopulationen. Erfahrungen aus den umliegenden Ländern zeigen, dass der Wolf sich jährlich um mindestens 20-30% vermehrt.

In Frankreich zum Beispiel leben heute 400-600 Wölfe, die 2016 offiziell, trotz umfangreichem Herdenschutz, über 10'000 Nutztiere gerissen haben. Nach Angaben der französischen Behörden fanden in den Savoyer Alpen 85% der Wolfsattacken auf Herden mit mindestens zwei Schutzmassnahmen statt. Das beweist einmal mehr, dass der Herdenschutz ineffizient bis nutzlos ist: Die Wölfe sind sehr schlaue Tiere und passen sich schnell an neue Bedingungen an.

Laut einer Studie der Organisation für Raubtierökologie und Wildtiermanagement KORA soll die Schweiz Platz bieten für etwa 300 Wölfe, die bei einer Reproduktion von 20-30%, jährlich um weitere 60-90 Tiere zunehmen würden. So wären die gesamte Umgebungszone und die angrenzenden Täler von Wolfsübergriffen direkt betroffen. Die Region des vorgesehenen Nationalparkes Adula ist von grosser Bedeutung einerseits für die Weidewirtschaft mit der Produktion von gesunden Erzeugnissen, anderseits im Bereich von Erholung und Sport für die gesamte Bevölkerung. Nicht zu vergessen ist die Funktion der Beweidung für die Prävention vor Naturereignissen wie Lawinen, Murgängen, usw. Das sind die hauptsächlichen Gründen die uns aufrufen, alles zu tun, um die Aufgabe dieser Berggebiete zu verhindern.

Mit der Errichtung eines Nationalparkes wird die Ausbreitung der Grossraubtiere, die schon heute grosse Probleme für Nutztiere, Tierhalter und die Bevölkerung in den betroffenen Berggebiete verursacht, noch schneller zunehmen. Wir sind überzeugt, dass die Einheimischen bereits heute zu ihrer Region Sorge tragen und keine zusätzlichen Paragrafen benötigen, um ihre Landschaft zu schützen. Wir empfehlen ihnen daher den Nationalpark Adula abzulehnen.

Vorstand «Vereinigung Lebensräume ohne Grossraubtiere GR»

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